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Der Arbeitsmarkt verändert sich.

Arbeit auf Zeit - von der Stempelkarte zur Selbstbestimmung


"Arbeit" – was ist das eigentlich? Für die meisten Menschen ist sie weit mehr als die tägliche Fron, mit der wir uns den monatlichen paycheck verdienen. Wenn auch viel gejammert und geklagt wird über den Job, liefert dieser doch den meisten Menschen ein Stück Lebenssinn. Arbeit sorgt immerhin für Status, eine klar umrissene Identität in der Gesellschaft und nicht zuletzt für geregelte soziale Kontakte. Darüber hinaus strukturiert sie Tages- und Lebenszeit und dient manchen sogar der Selbstverwirklichung.

Die "Arbeit" ist im Wandel. Den gleichen Job lebenslang? Das war einmal. Die Zeit der Vollzeit-Lebensanstellungen ist vorbei. Stempelkarten und lebenslange Sicherheit sind längst nicht mehr die Charakteristika der „Arbeit“. Mehr und mehr setzen sich andere Bilder dessen, was wir mit diesem Begriff verbinden, durch. Arbeiten wird zum eigenverantwortlichen Tun, Planen und Konzipieren - auch und gerade außerhalb fester Bürozeiten und -gebäude.

Die Umwälzungen sind enorm und erzeugen Unsicherheit. Denn während die „alte Arbeit“ schwindet und von einem Abstraktum zur persönlichen Erfahrung vieler Menschen wird, sind die Konturen der „neuen Arbeit“ noch unklar. Die Veränderung der Arbeitslandschaft ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wie wir in Zukunft arbeiten werden, ist damit zu einem grundlegenden Thema für Staat, Unternehmen und den Einzelnen geworden.

Selbständigkeit, freiberufliche Projekttätigkeit, temporäre Erwerbslosigkeit oder mehrere Jobs gleichzeitig: dies wird für die meisten Menschen zur täglichen Wirklichkeit. Die im Industriezeitalter mit Arbeit einhergehende Abhängigkeit wird abgelöst durch Selbstbestimmtheit. Es werden neue Beschäftigungsformen entstehen, die vor allem durch Selbständigkeit geprägt sein werden. Das kann bedrohlich wirken, aber auch als Chance wahrgenommen werden.

So lautet denn auch das Gebot der Stunde: Kreativität. Und die wichtigste Spielregel in der Kreativwirtschaft heißt daher: es gibt keine erlernbaren und abzuarbeitenden Spielregeln. Die Arbeit der Zukunft stellt daher völlig neue Anforderungen an uns: wir müssen den Umgang mit der Unsicherheit beherrschen, wir dürfen keine Angst vor dem Experimentieren und Ausprobieren haben und bei all dem müssen die Regeln und Rahmenbedingungen immer wieder neu erfasst und definiert werden.

Nicht zuletzt die Globalisierung verlangt den Erwerbstätigen viel ab. Die Welt ist vernetzt und es ist heute unmöglich, die Zukunft der Arbeit in Deutschland zu diskutieren, ohne dabei einen Blick auf die ganze Welt zu werfen. Eben jene Globalisierung und eine verstärkte Liberalisierung der Wirtschafts- und Sozialpolitik tragen zum Entstehen eines globalen Arbeitsmarktes bei. Einerseits werden immer mehr Jobs ortsunabhängig erledigt. Und auf der anderen Seite gilt hier das zweite Gebot der Stunde: Mobilität. Viele Arbeitnehmer müssen jederzeit zum Aufbruch bereit sein, sei es dauerhaft oder auf Zeit, um die Karriere voranzutreiben. Projektbezogenes Arbeiten und befristete Verträge ersetzen heute die klassischen Arbeitsverhältnisse. Nicht nur Beratern und Vertriebsmitarbeitern wird ein Mindestmaß an Mobilität abverlangt, auch Filmschaffende oder Trainees gehören zu den "Edelnomaden" unserer globalisierten Zeit.

Unsere Arbeitskultur wird sich also verändern müssen! Dabei werden sich bekannte Trends wie die genannte Globalisierung des Arbeitsmarktes, die Alterung der Gesellschaft und eine weiter voranschreitende Tertiarisierung, also die zunehmende Dienstleistungsgesellschaft, nicht länger nur in Statistiken abbilden, sondern für jeden Einzelnen spürbar werden. Die nächsten Jahrzehnte werden durch eine neue Qualität der Arbeit bestimmt sein und mit der „neuen Arbeit“ werden andere Werthaltungen und Strukturen in unsere Gesellschaft einziehen.

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